Rad & Verkehr

Radlermeldungen - Berichte, Meinungen, Feststellungen und Hinweise


Andreas Engel, 13.11.2017

ADFC-Vorständetreffen am 14. Oktober 2017 in Nürnberg-Gostenhof

Unser Hofer ADFC-Kreisverband ist ja Teil eines größeren Ganzen, des Landesverbandes Bayern - und dieser ist wiederum Teil des Bundesverbandes.
Meist haben wir damit wenig zu tun, planen unsere Aktivitäten selbständig und mischen uns nur in die Verkehrspolitik vor unserer Haustür ein. Ab und zu hören wir aber von der großen Diskussion über eine Verkehrswende, Radschnellwege im Ruhrgebiet, Fahrrad-freundliche Kommunen in Bayern und anderswo, lesen die Radwelt und Mitglieder-Nachrichten. Manche Mitglieder wundern sich, daß von ihren Beiträgen den größten Teil Bundes- und Landesverband vereinnahmen, nur ein Bruchteil im Kreisverband ankommt.

Die meisten unserer 126 Mitglieder wollen gesellig Fahrradfahren und nicht sich in den mühseligen Niederungen der Verkehrspolitik Frustrationen und einen platten Hintern holen. Die grenzenlose Ignoranz von Verwaltung, Stadtrat und Bürgermeistern in Hof gegenüber den Sicherheitsinteressen von Fahrradfahrern (siehe Fahrrad-Klimatest 2017) macht das Feld der Fahrradpolitik auch nicht gerade attraktiv.

Vor diesem Hintergrund machte ich mich als Vertreter unseres Kreisverbandes auf zum Vorständetreffen der Kreisverbände in Bayern, moderiert vom Vorstand und der Geschäftsführung unseres Landesverbandes.

Neben ca. 40 Vertretern der jeweiligen Kreisverbände waren der Vorstand mit u.a. Armin Falkenhain und die Geschäftsführerin Petra Husemann-Roew da, als Gastreferent Herr Jungglas vom Bundesvorstand, der die Ergebnisse der ersten Phase eines Verbandsentwicklungsprozesses vorstellen sollte.
Wir waren mehrheitlich Herren im gesetzten Alter, die Frauen konnte ich an einer Hand abzählen. Bei der späteren Diskussion über das Erscheinungsbild des ADFC in der Öffentlichkeit wurde gefordert, daß alle Publikationen das gewünschte Zukunftsimage abbilden sollten: Jung, weiblich, aktiv und dynamisch!

Es gab eine ausführliche Vorstellungsrunde mit mehr oder weniger ausführlichen Berichten über örtliche Aktivitäten, Erfolge und Probleme. Berichtet werden sollte daneben über die örtliche Umsetzung der Bundes-Kampagne „Fahrradland Deutschland – Jetzt!“. Im Ergebnis kam diese Kampagne zu spät, war schlecht umgesetzt und traf nicht den Nerv der Kreisverbände. Schon eher die 200 Jahre Fahrrad. Meist hängt die Verkehrspolitik vor Ort (mit Kontakt zu Verwaltung, Politik, Presse u.s.w.) an ein oder zwei Vorstandmitgliedern. Der Fortschritt ist eine Schnecke, wenn es nicht gelingt, einflussreiche Verbündete zu gewinnen.

Auf Landesebene fordert man ein Radverkehrsgesetz, da das „Radverkehrsprogramm 2025“ des Bayer. Innenministeriums nicht rechtsverbindlich für Kommunen, Baubehörden und Verkehrsplaner ist. Insbesondere müsste die bisherige Baulastregelung geändert werden, sodass für Radschnellwege das Land zuständig wird.
Erfreulich ist die Entwicklung der „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern“. Davon können wir in Hof nur träumen: unser Nachbar Bayreuth macht mit.

Der Bundesverband will mit seinem Entwicklungsprozess den ADFC neu aufstellen, demokratischer, schlagkräftig, Kampagnen-fähig, Entscheidungsfähig. Er soll die ganze Breite der Fahrradfahrenden Bevölkerung und ihrer Sicherheitsinteressen repräsentieren (auch Kinder, Jugendliche, junge Familien). Ziel ist die sogenannte Verkehrswende und die Kombination aus Mitgliedsorganisation und Bewegung.

Geworben wurde für die nächsten Termine, das Südforum in Neu-Ulm im November,  die Landesversammlung am 14. April 2018 in Regensburg und natürlich das nächste Vorständetreffen am 13. Oktober 2018 in München.

Es war interessant, mitzubekommen, daß fast alle Kreisverbände die „Mühen der Ebene“ teilen, es gleichzeitig ein großes Gemeinschaftsgefühl und eine gute Diskussionskultur gibt. Vielleicht gelingt es durch solche Veranstaltungen ja, die Vertretung der Interessen der Alltagsradler besser zu bündeln und so das Fahrrad zum selbstverständlichen Verkehrsmittel  für Alle zu machen.

Informieren kann man sich auch auf der homepage unseres Landesverbandes
www.adfc-bayern.de und der des Bundesverbandes www.adfc.de


Andreas Engel


Jörg Ogrowsky und Oliver Groll, 04.06.2016

Einschätzung zur Radverkehrsführung anlässlich des geplanten Neubaus des Abschnitts Jahnstraße zwischen Berliner Platz und Einmündung Kulmbacher Straße.

Der Bericht wurde auf Anregung von Herrn Schmittgall/Polizeidirektion Hof erstellt.
PDF-Download


Andreas Engel, 30.11.2015

Bericht vom Besuch des adfc-Südforums 2015

Das adfc-Südforum für „Aktive“ aus Kreisverbänden Bayerns und Baden-Württembergs fand vom 27. bis 29. November in Neu-Ulm statt. Es diente der Information über neuere Entwicklungen im adfc, sowie dem Kennenlernen und Austausch der über 160 Teilnehmer.
Der Landesverband übernahm die Tagungs-, Verpflegungs- und Übernachtungskosten für jeweils einen Teilnehmer aus jedem Kreisverband, so daß auch kleine, finanzschwache Kreisverbände einen Vertreter entsenden konnten.

Das Forum bestand aus Vorträgen im Plenum und einem breiten Angebot von Workshops, dazwischen Essens- und Kaffee-Pausen mit Gelegenheit auch für Poster-Präsentationen und Besuch bei einigen Ausstellern von z.B. Fahrradkleidung und Zelten für Infostände. Interessant war auch ein „speed-dating“ - man konnte jeweils drei Minuten einem Vorstandsmitglied seines Landesverbandes seine Wünsche, Kritik oder Fragen vorbringen, dann war der nächste dran.

Auf jeden Fall hat unser Landesvorstand für mich jetzt individuelle Gesichter, der Armin Falkenhein (Vorsitzender) hat z.B. mal in Hof an der Beamtenfachhochschule studiert.
Ich habe auch den Planer des früheren Hofer Generalverkehrsplanes  kennengelernt
(er kommt aus Aalen), der sich nach dem Stand der Realisierung bei mir erkundigt hat. Daneben gab es viele lockere Gespräche mit anderen Teilnehmern. Das ganze war natürlich stark Männer-lastig, Altersschnitt so um die 60.
Mit Urkunden und Wein-Präsenten wurden die Kreisverbände hervorgehoben, die den größten Mitgliederzuwachs hatten.

Schade war, daß Ludger Koopmann vom Bundesvorstand mit seinem Eröffnungsvortrag „Radfahren in der menschengerechten Stadt – wie sieht unsere Vision aus?“ sowie seinem Workshop ausfiel. So war für mich der Vortrag und Film „Alle fahren Rad – von Dänemark
und Holland lernen“ von Dennis Steinsiek am anregendsten.  Da gehört das Radfahren zum Lebensgefühl und die Rad-Infrastruktur ist in vielen Jahrzehnten gewachsen. Interessant fand ich auch, daß in Holland weniger als 1% der Radler einen Helm tragen; das Bedürfnis nach (vermeintlicher) Sicherheit scheint also eine deutsche Besonderheit zu sein. Vom Bundesverband wurde schwerpunktmäßig vom beginnenden Verbandsentwicklungsprozess berichtet (Wie soll der Verband in 10 Jahren aufgestellt sein, welche Ziele will er verfolgen, wie kann die verbandliche Kommunikation verbessert werden, Freiwilligen-Management). Das Image soll wohl jünger und moderner werden, ein „Mitmachverband“, der Kompetenz ausstrahlt.
Ich habe zwei Workshops zur Pressearbeit besucht, und natürlich war da die Hauptfrage: Welches Bild geben wir nach außen ab, und welches wollen wir vermitteln?
Allenthalben ging es dann auch um Verjüngung und Mitgliedergewinnung. Einige Hoffnung ruht auf der ab 2016 im Mitgliedsbeitrag enthaltenen Pannenversicherung.
Meine anderen zwei Workshops waren „Radverkehrsförderung im ländlichen Raum“ und das „Projekt Fahrradfreundliche Arbeitgeber“ des Landesverbandes.

Als Anregungen für unser Tourenprogramm habe ich eine Eltern/Kindertour sowie eine Tour „Hof bei Nacht“ mitgenommen. Vielleicht ist eine Tour nur für Pedelekfahrer auch mal was (Peter Kraus als Tourenführer?).

In zwei Jahren wird es wieder ein adfc-Südforum in Neu-Ulm geben – vielleicht hast Du, lieber Leser, jetzt Lust bekommen unseren Kreisverband dann dort zu vertreten?


Oliver Groll, 05.10.2015

Als Radfahrer auf der Landstraße

Zwei Dinge sind mir (Berufspendler, werktäglich auf Landstraßen unterwegs, da zwischen Wohnort und Arbeitsstätte kein durchgehender Radweg) in letzter Zeit aufgefallen.
Zum einen gibt es immer mehr Schnellfahrer, die mit gut 100 km/h auch auf unübersichtlichen, kurvigen Strecken unterwegs sind, in Ortschaften auch selten weniger als 70 km/h für nötig halten und oft schon von weitem daran zu erkennen sind, dass sie im Windschatten etwas langsamerer Fahrzeuge in Lauerstellung auf eine Gelegenheit zum Überholen warten.
Womit wir beim zweiten und problematischeren Thema wären, dem Überholen. Hiervon ist man als Radfahrer in mehrfacher Hinsicht betroffen.
Der oben beschriebene aggressive Schnellfahrer wird bei der ersten sich bietenden Gelegenheit ausscheren und überholen, und in seiner Logik ist das dann der Fall, wenn kein Auto entgegen kommt. Wieviel Platz die Straße an dieser Stelle bietet für 1 LKW, 1 PKW und ein Fahrrad (oder auch für 1 Fahrrad und 2 PKW, die sind in den letzten Jahren nicht gerade schmäler geworden), ist solchen Zeitgenossen egal, man kann je nach Verhältnissen als Radfahrer nur noch die Flucht ergreifen (Vollbremsung, Grünstreifen, Straßengraben, Acker).
Leider verhalten sich aber auch viele Autofahrer falsch, die eigentlich keinen aggressiven Fahrstil pflegen, und zwar besonders beim Überholen von Radfahrern bei Gegenverkehr. Der gebotene Sicherheitsabstand von 1,5 bis 2 Metern zu überholten Radfahrern wird schon bei freier Fahrbahn sehr oft nicht eingehalten, sei es aus Unkenntnis oder Gedankenlosigkeit. Ist noch Gegenverkehr im Spiel, kann es dann ganz eng werden, und zwar in beide Richtungen. Häufiger ist der Fall, dass der Überholer in 30 bis 50 cm Abstand zur linken Schulter vorbeirauscht, wohl in der Hoffnung (wenn überhaupt gedacht wird), dass der Radler schon brav schnurgerade die Spur halten wird und keinen Schlenker z.B. wegen eines Schlaglochs machen wird. Aber es gibt auch Leute, die nicht gerne so nah überholen und dafür die entgegenkommenden PKW ziemlich in Bedrängnis bringen. Auch nicht schön, so was aus nächster Nähe zu beobachten. Der legendäre Satz des Fußball-Reporters Günther Koch fällt mir dazu ein: „Achtung, jetzt knallts gleich!“, aber für so einen Nervenkitzel gibt es ja Fußball-Arenen, das will man bei der täglichen Fahr zur Arbeit eigentlich nicht erleben.
Gibt es für diese Probleme, die ja durchaus lebensbedrohlichen Charakter haben können, Lösungen oder Auswege?
Oft wird empfohlen, nicht zu weit rechts zu fahren, sondern z.B. dort, wo beim PKW das rechte Rad ist oder noch weiter links. Das kann auf manche Fahrzeuglenker aber auch provozierend wirken und wäre dann wieder nicht im Sinne eines entspannten und rücksichtsvollen Miteinanders.
Hilfreich wäre es vielleicht bereits, wenn ein paar mehr Radfahrer unterwegs wären. Dann wäre der Umgang mit diesen Situationen für die Autofahrer irgendwann Routine und würde nicht wie ein aus heiterem Himmel aufgetretener Störfall empfunden.

Vielleicht gibt es ja noch andere Erfahrungen, Meinungen oder Lösungsvorschläge zu diesem Thema.